+++ Veranstaltungen zu Rudolf Steiners 100. Todestag +++

Rudi (Rudolf Steiner), Radierung von Otto Fröhlich, um 1891/’92. Zur Zeit seiner Veröffentlichung seines Buches »Die Philosophie der Freiheit«
Rudolf Steiner wurde im vorletzten Jahrhundert im heutigen Kroatien geboren und ist am 30. März 1925 in der Schweiz verstorben.
Derzeit werden überall Feiern hierzu veranstaltet.
Rudolf Steiner befasste sich unter anderem mit Kant, dem Philosophen der Aufklärung und Goethe, dem Kopernikus der Forschung im Lebendigen. Goethe selbst rechnete sich seine naturwissenschaftlichen Arbeiten weit höher an, als seine literarischen Schöpfungen. Aus diesem goethischen Ansatz ergab sich später von Edmund Husserl und Rudolf Steiner aufgegriffen eine Wissenschaft, die von Husserl Phänomenologie genannt wurde. Husserl und Steiner waren Zeitgenossen und studierten beide Philosophie bei Franz Brentano.
Husserls Leitspruch lautete:
„Zurück zu den ‚Sachen selbst!, die Welt so zu verstehen, wie sie auch vom handelnden Menschen selbst erfahren wird.“
Steiners Leitspruch in seiner philosophischen Sprache ist der Schlußsatz in seiner »Philosophie der Freiheit«:
„Man muß sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“
Das war vor 1917 als in St. Petersburg die Revolution unter der Idee des kommunistischen Materialismus ausbrach und bevor der Bierdunst aus dem Münchener Braukeller das Bewusstsein mancher Zeitgenossen benebelte. Den Aufstieg des österreichischen Postkartenmaler mit charakteristischem Schnauzbart, der sich selbst zum Führer der Deutschen ausrief und den Rassenwahn als neue Religion ausrief, musste Steiner nicht mehr erleben, wenngleich er dies voraussah und 1922 nur knapp einem Attentat dieser völkischen Kreise entging. Man könnte auch sagen, dass es eine Tragik war, dass er vorher in der Schweiz umgebracht wurde. Husserl hingegen musste den Rassenwahn und die Verbrennung seiner Bücher bis zum seinem Tod 1938 ertragen. Aber das ist verständlich, wenn man z.B. eine Aussage Husserls nimmt:
„Es ist eben ein Unding, von einem ‚unbewußten‘ Inhalt zu sprechen, der erst nachträglich bewußt würde. Bewußtsein ist notwendig Bewußtsein in jeder seiner Phasen“ oder
„Nicht von den Philosophien sondern von den Sachen und Problemen muss der Antrieb zur Forschung ausgehen.“
Bei Steiner heißt es in der letzten Überarbeitung seines Erstlingswerkes »Erkenntnistheorie des Goetheschen Weltanschauung – mit besonderer Rücksicht auf Schiller«:
„Nicht das Aufwerfen von Fragen ist die Aufgabe der Wissenschaft: Fragen des Erkennen entstehen an der Anschauung der Außenwelt durch die menschliche Seelenorganisation. In dem Seelenimpuls der Frage liegt die Kraft, an die Anschauung so heranzudringen, daß diese mit der Seelenbestätigung zusammen die Wirklichkeit des Angeschauten zur Offenbarung bringt.“
Rudi hat hat 45 Bücher verfasst und über 6000 Vorträge gehalten. Nur eine Hälfte davon wurde mitstenografiert und kann als authentisch gelten. Die andere Hälfte, meist flüchtige Notizen der Zuhörenden, dient zur Unterstellungen jeglicher Art.
Es ist nicht jedem vergönnt sich den wissenschaftlichen Grundlagen der Phänomenologie und dem erweiterten Goetheanismus, der anthroposophischen Geisteswissenschaft, zu widmen. Wie eben nicht jeder der eine Bahn benützt, diese Technik versteht. In dem umfassenden Werk finden aber offenbar viele Menschen etwas, was ihr Leben erträglicher macht und es ihnen vielleicht ermöglicht ihrem Leben einen Sinn zu geben. Vieles was derzeit geschrieben wird, sagt wohl mehr über die Autoren als über die erweiterte Wissenschaft etwas aus.
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